„Schön wäre es, wenn die Eltern ebenfalls ein Naturheft führen würden; wir leben ja das Leben gemeinsam.“ (Um der Kinder willen. For the Children’s Sake, Susan Schaeffer Macaulay, S.169)

Vor etwa drei Jahren habe ich mir eine Ausgabe des Buches „Vom Glück mit der Natur zu leben. Das Tagebuch der Edith Holden“ gekauft. Ich war überwältigt von den wunderschönen Illustrationen und der poetischen Feinfühligkeit, mit der sie die Welt in ihren Texten beobachtet und beschreibt. Ich habe mich gefragt wie es wohl wäre, ein solches Vermächtnis meiner Naturbeobachtungen für meine Kinder zu hinterlassen. Als Anfängerin ohne Kunststudium tat ich mir schwer, meinen Perfektionismus abzustreifen und den Zeichenstift in die Hand zu nehmen. War es nicht schon zu spät? Das war es nicht. Ich brauchte nur mein Warum.

Ein wunderschöner Tag an der Argen. Für die Zukunft eingefangen.

Welcher Schatz es in der Entwicklung eines Kindes sein kann, wenn Sie ihre Neugier auf die natürliche Welt mit Stift und Papier entdecken und ausleben können, darüber spricht und schreibt bereits John Muir Laws, Clare Walker Leslie und Rachel Carson. Zeit in der Natur ist essentiell. Nature Journaling ist dabei ein schöner Weg, die Beobachtungen und Erfahrungen während dieser Zeit zu dokumentieren. Dabei ist unsere eigene Verbindung als Mutter zur natürlichen Welt hilfreich, um die Reichtümer und Wunder der Natur mit unserer Kindern zu teilen.

Kinder erleben und beobachten die Natur durchgehend, wenn wir ihnen hierzu den Raum geben. Ob sie diese nun dokumentieren oder nicht. Genauso auch wir als Mütter. Oder hast du dich nicht schon einmal laut gewundert, was der Vogel da im Schnabel mit sich trägt, wenn er mit einem kleinen etwas an dir vorbeifliegt? Oder wohin die Schmetterlinge sich zum schlafen legen?

Öfter noch werden wir jedoch sagen: „schau mal, was für eine wunderschöne Blume das ist. Und wie toll sie richt.“ Auf diese Art bleiben wir nicht nur mit der Natur verbunden, sondern auch mit uns selbst.

Der Hibiskus in unserem Garten ist ein wunderschöner Kontrast zum grünen Busch.

Jetzt kommt das Natur Journal zum Einsatz. Hierbei geht es nicht darum, schöne und traumhafte Landschaften zu malen. Es geht nicht einmal darum, die Flora und Fauna vorher zu kennen und zu bestimmen. Es ist viel mehr eine tiefgreifende, immersive Erfahrung, die Beobachtungsgabe, Neugier und eine Verbundenheit mit der natürlichen Welt zu fördern.

Die Reformpädagogin Charlotte Mason war davon überzeugt, dass der unmittelbare Kontakt mit der Natur bei Kindern die Wertschätzung für Schönheit fördert, ihre Beobachtungsgabe schärft und ein Gefühl des Staunens und der Ehrfurcht vor der Welt um sie herum entstehen lässt.

Sie schreibt in ihrem Buch „Home Education“ (von mir frei übersetzt):

„Das Kind, welches Naturkunde aus einem Schulbuch lernt, selbst wenn es anschließend die Natur aufsucht, um dort Beispiele für das Gelernte zu finden, und auch jenes Kind, welches sein Wissen durch Anschauungsunterricht erwirbt, hat keine Gelegenheit eine eigene Beziehung zu diesen Dingen, so wie sie wirklich sind, zu entwickeln. Den sein wohlmeinender Lehrer lässt es im glauben, über etwas Bescheid zu wissen sei dasselbe, wie es selbst kennenzulernen.“

Mütter die also eine tiefe und persönliche Beziehung zur Natur aufbauen profitieren nicht nur selbst hiervon, sondern geben diese Erfahrung auch an ihre Kinder weiter. Eine Mutter die in Berührung mit den Jahreszeiten ist hat die Möglichkeit, eine Begleiterin, eine mitdenkende und eine Naturfreundin ihrer Kinder zu werden.

In stillen Momenten kann ich von einem Foto gejournalt werden.

Nature Journaling ermutigt Mütter und ihre Kinder langsamer zu werden und die kleinen Veränderungen in ihrer Umgebung aufmerksam zu beobachten und diese Anschließend durch Skizzen, kleine Notizen und reflektieren zu dokumentieren. Dies fördert nicht nur Beobachtungsgabe, sondern genauso Achtsamkeit und Präsent sein – ein starker Kontrast zu unserer schnelllebigen, technologiegetriebenen Welt in der wir uns befinden.

Eines der weiteren Stärken des Nature Journalings liegt in seiner Vielseitigkeit. Es lässt sich ganz selbstverständlich mit den unterschiedlichsten Bereichen verbinden: Von Naturbeobachtung und Kunst, über Sprache und Literatur, bis hin zu Mathematik. Ob beim Zeichnen der feinen Strukturen eines Blattes, beim Festhalten der jahreszeitlichen Veränderungen in einem nahegelegenen Park oder beim Verfassen eines Gedichts, das von den Eindrücken und Klängen der Natur inspiriert ist – wir können somit die Aktivitäten im Nature Journal ganz individuell an unsere Interessen und die unserer Kinder anpassen.

Der Prozess:

Nature Journaling kann so einfach oder so komplex sein wie du es möchtest. Das Ziel sollte sein, regelmäßige Beobachtungen in den Alltag zu integrieren. Das kann an manchen Tagen auch nur ein Satz sein. Siehe hierzu auch den Beitrag zum Kalender der ersten Male.

10-15 Minuten in der Natur mit anschließender Dokumentation oder währenddessen sind ausreichend. Wenn du eine Zeichnung ergänzen möchtest, tu das und lass dich nicht von Perfektionismus aufhalten. Du gehst deinen eigenen Weg und denke immer wieder daran, warum du dieses Journal füllst. Du wirst eine wundervolle Sammlung deiner Naturbeobachtungen haben.

Material

Skizzenbuch, Stift, Farben – mehr braucht es nicht

Ein Notizbuch, ein Bleistift oder Buntstift, optional Wasserfarben mit einem Wassertankpinsel

Mehr nicht.

Weitere Ressourcen

John Muir Laws: The Laws Guide to Nature Drawing and Journaling

Edith Holden: Vom Glück mit der Natur zu leben

Rachel Carson: Magie des Staunens: Die Liebe zur Natur entdecken

In meinem kostenlosen Vogelbeobachtungs-Journal findest du und dein Kind Vorlagen, um die Vögel vor deiner Haustür kennenzulernen:

Bleib wild verbunden,

deine Sara

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