Diesen Beitrag kannst du auch anhören:

Der Frühling ist eine besondere Zeit für Nature Journaling.
Es ist noch nicht so übervoll wie im Sommer, aber auch nicht mehr kalt und still wie im Winter. Genau diese Übergangszeit eignet sich wunderbar, um (wieder) einzusteigen, dranzubleiben oder ganz neu anzufangen.
Und vielleicht auch, um Nature Journaling in deinen Familienalltag zu holen.
Was ist Nature Journaling eigentlich?
Ganz einfach gesagt:
Nature Journaling ist der Prozess, bei dem du dich mit Natur beschäftigst, draußen oder auch von drinnen aus und deine Beobachtungen, Gedanken und Eindrücke direkt auf Papier festhältst.
Du bringst das, was du wahrnimmst, aus deinem Kopf in ein Notizbuch.
Mit einem Stift.
Ohne Umwege.
Deshalb haben viele ein Skizzenbuch, ein Heft oder zumindest ein Blatt Papier dabei, wenn sie draußen sind.
Die drei grundlegenden Perspektiven
Damit Nature Journaling nicht vage bleibt, hilft eine einfache Struktur. Du kannst deine Einträge in drei Bereiche gliedern:
1. Beobachten – „Mir fällt auf …“
Hier hältst du fest, was du wirklich siehst.
- Farben
- Formen
- Muster
- Bewegungen
- Details
Zum Beispiel:
Mir fällt auf, dass die Blüte ganz weiß ist.
Mir fällt auf, dass der Vogel ein gestreiftes Muster hat.
Das sind deine Fakten. Deine direkte Wahrnehmung.
Diese Beobachtungen bauen Schritt für Schritt ein Bild auf.
2. Fragen – „Ich frage mich …“
Aus der Beobachtung entsteht fast automatisch Neugier.
Du beginnst, Fragen zu stellen:
- Warum ist diese Blüte weiß und andere rosa?
- Warum hat dieser Vogel diese Schnabelform?
- Warum fühlt sich dieses Blatt pelzig an?
Je mehr du fragst, desto tiefer wird deine Auseinandersetzung.
Du bleibst länger dran. Du schaust genauer hin.
3. Verknüpfen – „Es erinnert mich an …“
Der dritte Schritt bringt deine eigene Erfahrung ins Spiel.
Du verbindest das Gesehene mit Erinnerungen:
- Situationen aus deinem Leben
- frühere Naturerlebnisse
- persönliche Assoziationen
Das hilft dir, das Beobachtete tiefer zu verankern und aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Eine Struktur, die dir den Einstieg erleichtert
Du kannst dir diese drei Sätze direkt in dein Notizbuch schreiben:
- Mir fällt auf …
- Ich frage mich …
- Es erinnert mich an …
Das gibt dir gerade am Anfang Halt.
Und gleichzeitig bleibt dein Journal vollkommen frei.
Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um deinen eigenen Zugang.
Diese drei Perspektiven helfen dir aber, ein Naturphänomen wirklich umfassend zu erfassen und fördern deine Aufmerksamkeit und Neugier.
Die drei Werkzeuge im Nature Journaling
Um deine Beobachtungen festzuhalten, nutzt du drei einfache Werkzeuge:
Bilder
Skizzen und Zeichnungen verlangsamen deinen Blick.
Du schaust genauer hin, entdeckst Details und bleibst länger bei einer Sache.
Wichtig ist dabei:
Es geht nicht um ein „schönes“ Bild.
Dein Skizzenbuch ist kein Kunstprojekt, sondern ein Werkzeug für Wahrnehmung.
Worte
Manches lässt sich besser beschreiben als zeichnen.
Du kannst:
- Stichpunkte notieren
- Gedanken festhalten
- Beobachtungen in Worte fassen
Je nach Situation kannst du mehr schreiben oder mehr zeichnen oder beides kombinieren.
Interessant dabei: Bilder und Worte aktivieren unterschiedliche Bereiche im Gehirn.
Wenn du beides nutzt, nimmst du deine Umgebung intensiver wahr.
Zahlen
Ein oft unterschätztes Werkzeug sind Zahlen.
Du kannst:
- zählen (z. B. Vögel)
- schätzen
- messen
- Zeit festhalten
Statt „viele Vögel“ schreibst du zum Beispiel:
Ich habe 12 Vögel in 10 Minuten beobachtet.
Das macht deine Wahrnehmung präziser.
Alles zusammengefasst
Im Nature Journaling arbeitest du mit:
Drei Perspektiven:
- Beobachten → Mir fällt auf …
- Fragen → Ich frage mich …
- Verknüpfen → Es erinnert mich an …
Und drei Werkzeugen:
- Bilder
- Worte
- Zahlen
Damit gehst du nach draußen, oder setzt dich ans Fenster und hältst fest, was du wahrnimmst.

Warum Nature Journaling so wirkungsvoll ist
Nature Journaling verändert deine Art zu sehen.
Du:
- wirst aufmerksamer
- denkst genauer nach
- erinnerst dich besser
- entwickelst eine tiefere Beziehung zur Natur
Und genau daraus entsteht oft auch der Wunsch, Natur zu schützen und zu bewahren.
Was du wirklich brauchst
Du brauchst:
- ein Notizbuch
- einen Stift
Mehr nicht.
Kein perfektes Material.
Keinen aufwendigen Einstieg.
Und im Familienalltag?
Wenn du Nature Journaling regelmäßig nutzt und deine Kinder daran teilhaben lässt, passiert etwas Entscheidendes:
Es wird Teil eures Alltags.
Ihr:
- beobachtet gemeinsam
- stellt Fragen
- entdeckt Zusammenhänge
Und deine eigene Neugier wird zum Ausgangspunkt für ihre.
Fazit
Nature Journaling ist kein zusätzliches „Projekt“.
Es ist eine einfache, praktische Methode, um Natur bewusst wahrzunehmen und in deinen Alltag zu integrieren.
Gerade im Frühling ist ein idealer Moment, damit zu beginnen.
Mit einem Notizbuch.
Mit einem Stift.
Und mit der Bereitschaft, wirklich hinzuschauen.

Hinterlasse einen Kommentar