
Sitz und Platz kennen wir vor allem aus der Hundeerziehung – aber auch für unsere Naturverbindung ist der sogenannte Sitzplatz von Bedeutung.
Wie, wo, was und warum, das klären wir heute in diesem Beitrag.
Vielleicht hast du ja sogar schon einen Sitzplatz, wusstest nur noch nicht, dass er so heißt. Oder das Konzept ist ganz neu für dich. Heute wollen wir gemeinsam Platz nehmen, uns setzen und vor allem herausfinden, wie das Ganze auch mit Kindern funktionieren kann.
Gerade für uns Mamas ist der Sitzplatz Gold wert. Wir tragen jeden Tag eine große mentale Verantwortung und haben oft wenig Zeit, uns komplizierte Methoden anzueignen oder feste Termine für Natur und Entspannung in unseren Kalender zu blockieren. Der Sitzplatz ist eine Möglichkeit, ganz unkompliziert und regelmäßig Naturverbindung in den Alltag zu bringen.
Die Idee kommt aus der Wildnispädagogik. Dort gibt es sogenannte Kernroutinen, die uns Schritt für Schritt näher in Verbindung mit der Natur bringen. Dazu gehören zum Beispiel Nature Journaling, Wandern, Artenstudium, Naturhandwerk, Vogelstimmen lauschen oder Feuermachen. Survival habe ich für mich persönlich gestrichen, denn ich gehe nicht in die Natur, um zu überleben, sondern um mich zu verbinden.
Der Sitzplatz gilt dabei als eine der wichtigsten Kernroutinen überhaupt. Wenn du sonst nichts anderes schaffst, wenn dein Leben gerade voll ist, dann lohnt es sich, mit dieser Übung zu beginnen. Denn sie ist gleichzeitig sehr einfach und sehr kraftvoll.
Ein Sitzplatz ist ein ganz bestimmter Ort in der Natur, an den wir regelmäßig gehen. Dort sitzen wir still, oder manchmal auch mit unserem Journal und beobachten, was um uns herum passiert. Mit der Zeit öffnet sich uns die natürliche Welt. Die Vögel kommen näher, wir erleben magische Begegnungen, spüren die Jahreszeiten. Und wir selbst kommen zur Ruhe, reflektieren und landen wieder im Hier und Jetzt.
Wenn du deinen Sitzplatz bei jedem Wetter besuchst und über das ganze Jahr hinweg, wirst du immer Neues entdecken: andere Tiere, andere Pflanzen, andere Stimmungen. Besonders schön sind Sonnenaufgänge oder -untergänge.
Du kannst auch mehrere Sitzplätze haben, je nachdem, was zu deiner Lebenssituation passt. Ich selbst habe drei.
Mein erster Platz ist auf dem Balkon. Er ist überdacht, nah, schnell erreichbar und das ist wichtig, denn die Regelmäßigkeit zählt. Dort füttere ich die Vögel, lasse den Schreibtisch-Stress hinter mir und fühle mich einfach wohl.
Mein zweiter Platz ist nur drei Minuten von zuhause entfernt, am Rand eines Naturschutzgebiets. Dort sitze ich gerne auf einem alten Baumstamm, mit Blick über Birken, einen Hang mit Fuchsbau, einen großen Baum, auf dem oft Rotmilane sitzen, und eine Wiese mit wildem Dost. Das klingt traumhaft , allerdings habe ich herausgefunden, dass auch andere diesen Platz mögen, nämlich die Tiere. Es gibt dort Wildwechsel, und an einem Tag habe ich gleich mehrere Zecken mitgebracht. Deshalb habe ich inzwischen ein wenig weiter gesucht und noch keinen endgültigen Ersatz gefunden.

Mein dritter Platz ist der schönste, aber auch der unregelmäßigste: neben unserem Familien-Olivenbaum im Libanon. Jeden Morgen während unseres Aufenthalts war das mein erster Weg. Und dieser Baum, ich kann es gar nicht richtig beschreiben, hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Ich hätte nie gedacht, wie tief eine Verbindung zu einem einzelnen Baum sein kann. Es ist eine echte Bereicherung. Dasselbe gilt für das Rotmilan-Pärchen an meinem anderen Platz: Im Laufe des Tages habe ich oft an sie gedacht, gehofft, dass es ihnen gut geht, dass sie sicher sind. Genau das entsteht mit einem Sitzplatz: eine Bindung, die fast wie eine Beziehung ist.
Jetzt fragst du dich vielleicht: Wie funktioniert das mit Kindern?
Es ist absolut möglich, den Sitzplatz auch als Familie zu erleben. Meine Kinder kommen hin und wieder mit, ob wir zusammen auf dem Balkon sitzen und journalen, während die Vögel ans Futter kommen, ob wir im Naturschutzgebiet Spuren suchen oder am Olivenbaum die Nektarvögel beobachten.
Mit Kindern solltest du die Sitzplatz-Zeiten kürzer halten. Plane etwas zum Malen oder Schreiben ein, nimm vielleicht auch Snacks und ein Sitzkissen mit. Dann klappt es leichter, ein paar ruhige Minuten zu haben. Natürlich ist es nicht dasselbe wie allein, die Tiere ziehen sich oft zurück, wenn viel los ist. Aber die Kinder behalten diese gemeinsamen Einladungen in Erinnerung, und das ist unglaublich wertvoll.
Deine eigene Naturverbindung wird durch den Sitzplatz gestärkt und das nimmst du als Schatz mit in dein Familienleben. Es ist eine ganz andere Art der Naturbegegnung als beim Journaling, aber beides lässt sich sehr schön kombinieren. Manche Dinge wirst du nur an deinem Sitzplatz lernen.
Zum Abschluss möchte ich noch zwei meiner schönsten Sitzplatz-Momente mit dir teilen:
Einmal, ganz früh am Morgen, lief ein Reh seelenruhig über den Hang, völlig ungestört von mir. Ein anderes Mal flog einer der Rotmilane plötzlich direkt hinter mir los. Riesig, majestätisch, wunderschön. Das sind die Momente, für die sich der Sitzplatz lohnt.
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