Das erste Wild verbundene Jahr ist vorbei, und ich habe für mich einen Weg gefunden, eine Richtung, der ich folgen möchte.

Im letzten Jahr war mein Themenspektrum noch sehr breit: von Biodiversität über Vögel, Naturwissen, Ernährung, Kinder und naturnahe Gärten. Doch inzwischen hat sich mein Fokus geschärft: Ich widme mich dem Thema Entfremdung von der Natur – bei Kindern, aber auch bei uns Erwachsenen.

Denn diese Entfremdung ist nicht nur ein gesellschaftliches Thema. Sie bedeutet für uns individuell einen Verlust. Sie kann krank machen, einsam, und Kinder leiden besonders darunter. Es entstehen Probleme, die wir manchmal gar nicht direkt mit Naturferne in Verbindung bringen.

Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, dass wir hier mehr Wissen teilen. Erfahrungen, Ideen, Geschichten. Damit jede*r sich etwas mitnehmen kann.

Erfahrungen – und auch Studien – zeigen:

Kinder sind naturverbundener, wenn ihre Eltern es auch sind.

Das bedeutet: Wenn du als Mama oder Papa deine Beziehung zur Natur stärkst, deinen eigenen Weg findest, dann profitieren deine Kinder direkt davon.

Sie können durch dich einen Zugang zur Natur entdecken und ihre eigene Verbindung zur natürlichen Welt aufbauen.

In diesem Jahr möchte ich dich auf diesem Weg begleiten. Ich werde dir von Methoden erzählen, die meine Familie und ich ausprobiert haben kleine und alltagstaugliche Schritte, die deine Familie unterstützen können, wieder mehr in Beziehung mit der Natur zu kommen.

Und weil ich gerade eben erst im Garten war, noch ganz überwältigt von der Fülle an Wildkräutern, die förmlich explodiert sind, sprechen wir heute über Naturverbindung durch Wildkräuter.

Du musst keine Kräuterhexe werden – auch wenn das ziemlich cool wäre. Aber allein die Beschäftigung mit ein paar wenigen Pflanzen, die du vielleicht sogar nutzen kannst, stärkt deine Verbindung zur Natur ganz enorm.

Und dafür brauchst du kein Studium, keinen aufwendigen Kurs.

Jede*r von uns kennt bereits eine Handvoll Pflanzen. Dann geht es nur noch darum zu lernen, wie wir sie anwenden können.

Ich möchte dir heute fünf Wildpflanzen vorstellen, die jedes Kind kennt und die wir in unserer Familie ganz konkret nutzen. Sie sind leicht zu erkennen, weit verbreitet und vollkommen ausreichend, um erste Erfahrungen mit Heil- und Wildkräutern zu machen.

1. Spitzwegerich

Ein echter Klassiker!

Meine Kinder nutzen ihn bei Mückenstichen, kleinen Verletzungen oder bei Bläschen durch Brennnesseln.

Und es ist wirklich magisch: Wenn Kinder merken, dass sie sich selbst helfen können, mit einer Pflanze, die sie selbst erkennen und anwenden können, dann leuchten ihre Augen. Dieses Selbstbewusstsein ist unbezahlbar.

Ich selbst stelle gern eine Tinktur her, indem ich frische Blätter in 40-prozentigen Alkohol einlege und sie 3–4 Wochen ziehen lasse. Diese wirkt wunderbar bei Hautreizungen und kleinen Wehwehchen.

2. Brennnessel

Eine wahre Powerpflanze!

Auch diese Pflanze hat hohen Wiedererkennungswert und oft Respekt! Meine Kinder beobachten gerne die Raupen an der Brennnessel, halten aber lieber Abstand.

Ich persönlich liebe sie als Tee. Dafür nehme ich frische Blätter, lasse sie kurz anwelken, etwa 20–30 Minuten in der Sonne und übergieße sie dann mit kochendem Wasser. Zehn Minuten ziehen lassen, und fertig.

Der Geschmack ist kräftig, aber angenehm. Der Tee ist voller Energie, und ich fühle mich danach immer richtig gut.

Natürlich kann man Brennnesseln auch als Chips, im Quark oder Smoothie verwenden – aber ich mag es lieber pur und einfach.

Im Garten darf die Brennnessel bei mir wachsen. Sie ist Nahrungsquelle, Versteck und Brutplatz für viele Insekten. Und die vertrockneten Stängel nutze ich im Folgejahr als Zundermaterial fürs Feuermachen: das klappt richtig gut!

3. Löwenzahn

Süße Bitterkeit!

Diese Pflanze kennen wirklich alle und sie hat Power!

Er steckt voller Bitterstoffe, die in unserer heutigen Ernährung fast fehlen.

Für Kinder ist er manchmal zu bitter, da hilft es, die Blätter kurz zu wässern. Aber wir nutzen den Löwenzahn oft kreativ: Wir machen Kränze, Schmuck, Haarbänder und verwenden seine gelbe Farbe für Naturkunst.

Manche Blüten landen auch im Salat, das schmeckt interessant! Aber mir geht’s hier vor allem um die Verbindung: Diese Pflanze berührt uns auf so vielen Ebenen, durch ihren Anblick, ihre Geschichte, ihre Kraft.

4. Gänseblümchen

Liebling der Kinder!

Meine Kinder basteln aus Gänseblümchen Schmuck oder legen Blüten auf die Haut. Mit etwas Vaseline haften sie wunderschön.

Ich stelle aus Gänseblümchen eine Hautsalbe her. Dafür lege ich die Blüten mehrere Wochen in Öl ein, erwärme dieses später leicht, siebe es ab und füge ein wenig Bienenwachs hinzu. Eine einfache und natürliche Pflege, die bei kleinen Hautirritationen hilft und die Kinder lieben es!

5. Schafgarbe

Das Frauenkraut!

Die fünfte Pflanze, und die Wahl fiel mir wirklich schwer, ist die Schafgarbe.

Die Schafgarbe ist ein kraftvolles Frauenkraut, das seit Jahrhunderten für ihre unterstützende Wirkung im weiblichen Zyklus bekannt ist. Ich verwende sie gerne ganz einfach als Tee. Ein paar getrocknete Blüten und Blätter mit heißem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen und in kleinen Schlucken trinken. Gerade bei Unterleibsbeschwerden oder in unruhigen Phasen wirkt sie beruhigend und stärkend. Auch im Garten ist sie ein Geschenk: Ihre fein gefiederten Blätter und weißen bis rosafarbenen Blüten ziehen viele Insekten an und erinnern mich jedes Mal daran, wie kraftvoll und gleichzeitig zart Pflanzen sein können.

Eine Pflanze, die ich sehr liebe, aber bewusst heute nicht aufgenommen habe, ist der Bärlauch. Ich schätze ihn sehr, aber er hat tödlich-giftige Doppelgänger, und für Einsteiger*innen ist die Verwechslungsgefahr zu groß.

Mir ist bei Wildpflanzen immer eines besonders wichtig: Sicherheit vor Anwendung.

Es ist nicht entscheidend, wie „nützlich“ eine Pflanze ist, sondern dass du dir sicher bist, welche Pflanze du vor dir hast.

Mit der Zeit wirst du mutiger und sicherer. Dann kannst du dich auch an schwieriger zu bestimmende Pflanzen wie Bärlauch oder Schöllkraut heranwagen. Aber die fünf Pflanzen, die ich dir heute mitgegeben habe, sind ein fantastischer Einstieg.

Ein paar Dinge achte ich beim Sammeln besonders:

Ich sammele niemals am Straßenrand oder an Feldern, von denen ich weiß, dass dort konventionelle Landwirtschaft betrieben wird, also mit Pestiziden und Herbiziden.

Am liebsten sammele ich in meinem Garten, wo ich bewusst Bereiche wachsen lasse. Dort dürfen Pflanzen sich frei entfalten, ganz ohne Eingriffe.

Und natürlich: In Naturschutzgebieten ist Sammeln tabu. Das wisst ihr sicher.

Und ganz wichtig: Ich sammle nur, wenn ich die Pflanze hundertprozentig sicher bestimmen kann.

Wenn ich mir auch nur ein kleines bisschen unsicher bin, dann lasse ich sie stehen und freue mich einfach an ihrem Anblick.

Ich hoffe, du hast Lust bekommen, dich wieder mehr mit den Pflanzen um dich herum zu verbinden.

Du musst keine Expertin werden, nur beginnen, zu schauen, zu erkennen, zu spüren.

Hier findest du die PFD zu den genannten Wildpflanzen:

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