Lange habe ich mich gefragt, warum ich mich oft unsicher fühle. Warum ich denke, dass ich nicht genug weiß, nicht genug kann, nicht genug „Naturmensch“ bin. Warum ich mich nicht traue, Sichtbar zu werden mit dem was ich doch von Herzen liebe und möchte. Und dann habe ich es erkannt: Es ist das Impostor-Syndrom. Diese innere Stimme, die mir immer wieder sagt: Du tust doch nur so, als wärst du naturverbunden. Du weißt nicht genug. Du kannst nicht genug. Andere sind viel weiter als du. Andere sind viel besser als du.

Ich weiß, dass es vielen so geht, die sich zur Natur hingezogen fühlen. Besonders auch die Menschen, die pädagogisch unterwegs sind. Immer die nächste Fortbildung, immer noch ein Buch, immer noch mehr lernen – und sich dabei nie trauen, einfach ins Tun zu kommen. Weil man denkt: Ich weiß ja noch nicht genug. Ich tue nur so als ob.

Was macht einen Naturmenschen wirklich aus?

Bin ich ein Naturmensch, wenn ich nicht jeden Tag im Wald bin, Hütten baue, Feuer mache und mich nur von Wildkräutern und Wurzeln ernähre? Wenn ich keinen perfekten Permakulturgarten habe, der am Jahresende eine reiche Ernte abwirft? Wenn ich nicht jede Vogelstimme erkenne und zuordnen kann?

Vielleicht ist es genau das, was mich beschäftigt: Das Bild des perfekten Naturmenschen.

Aber was, wenn es nicht um Perfektion geht? Was, wenn es eigentlich um die Verbindung zur Natur geht?

Ich denke nach. Was bin ich und wie verhalte ich mich? Ich halte inne, wenn ich einen Vogel singen höre. Ich fühle mich draußen wohl. Ich nehme Rücksicht auf alles Leben. Mein Rückzugsort ist die Natur, der Garten, der Wald, das Wasser. Ich lese, erkundige mich, möchte lernen, sehen, verstehen. Gehört das nicht auch zu einem Naturmenschen dazu? Ist das nicht vielleicht sogar die Essenz?

Und selbst wenn andere mehr wissen – ich darf mir erlauben zu sagen: Ich weiß es (noch) nicht, aber ich kann es herausfinden.

Du bist kein Hochstapler – du bist auf deinem Weg

Ich möchte dich ermutigen: Du bist nicht falsch, nur weil du glaubst, alle anderen seien naturverbundener als du und wissen so viel mehr.

Ja, vielleicht gibt es jemanden, der mehr Pflanzen kennt, der mehr Vogelstimmen unterscheiden kann, der sich in Survival-Techniken besser auskennt. Aber bedeutet das, dass deine Verbindung zur Natur weniger wert ist? Nein!

Das Wollen ist entscheidend. Die Begeisterung, die Sehnsucht, die Bereitschaft zu lernen. Und vor allem: die Bereitschaft zu teilen.

Denn irgendwo gibt es jemanden, der heute dort steht, wo du vor ein paar Jahren warst. Jemanden, dem du etwas beibringen kannst. Du musst nicht alles wissen, du musst nur etwas wissen, das für einen anderen Menschen wertvoll sein kann und ihn begleitet auf seinem Weg.

Was mir geholfen hat:

Das zu erkennen war ein harter Weg für mich. Auch heute arbeite ich an mir und meinem Blick auf mich selbst. Hierbei hilft mir besonders mein Nature Journal, denn es erlaubt mir Dinge festzuhalten, wirklich intensiv zu beobachten und vor allem auch viele Fragen zu stellen. Da mein Journal geduldig ist, muss ich die Fragen nicht sofort beantworten. Ich darf neugierig sein, stets mit dem Gedanken „ich weiß es (noch) nicht!“

Also trau dich. Geh deinen Weg. Du bist kein Poser. Du tust nicht nur so.

Du bist ein Naturmensch – genau so, wie du bist.

Avatar von Sara

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