Heute dreht sich alles um den Kalender der ersten Male. Nicht ganz das, was du jetzt vermutlich denkst 🙂

Der Kalender der ersten Male oder auch Calendar of Firsts ist inspiriert von Lynn Seddon und ihrer phänomenalen Arbeit zur Naturbeobachtung.
Wir werden uns anschauen, was genau ein Calendar of Firsts ist, wie er funktioniert und wie du deinen eigenen erstellen kannst, um die Jahreszeiten ganz bewusst zu erleben.

Was ist ein Calendar of firsts?

Der Kalender der ersten Male ist ein wunderschönes Konzept, das von der Naturpädagogin Lynn Seddon in ihrem Buch „Exploring Nature with Children“ vorgestellt wurde. Es geht darum, dass das Jahr aus der Perspektive der Natur betrachtet wird und die kleinen, oft übersehenden Veränderungen dokumentiert werden.

Es ist ein phänologischer Kalender, der sich darauf konzentriert, sich auf die ersten Male im Jahresverlauf zu besinnen. Ein Beispiel wäre:

– wann öffnet die erste Schneeglöckchen Blüte?

– wann siehst du den ersten Schmetterling?

– wann hörst du das erste Vogelgezwitscher nach dem Winter?

Was bedeutet Phänologie?

Phänologie ist die Wissenschaft der periodischen Naturscheinungen.
Es geht um die Beziehung zwischen Klimabedingungen und dem Auftreten von Ereignissen in der Tier- und Pflanzenwelt. Indem wir diese Veränderungen aufzeichnen, bauen wir nicht nur eine tiefere Verbindung zur Natur auf, sondern lernen auch, wie Umwelt auf bestimmte Faktoren reagiert.

Was sind die Vorteile eines phänologischen Kalenders und warum sollte man so einen Kalender überhaupt führen?

Gründe hierfür wären, dass es hilft, achtsam zu sein und kleine Details in der Umgebung wahrzunehmen. Wir lernen über die Natur in unserer Region und erkennen Muster.

Der Kalender macht nochmal bewusst, wie sich die Jahreszeiten verändern und was sie so besonders macht. Es ist eine tolle Möglichkeit, Kinder an die Natur heranzuführen und gemeinsam zu beobachten.

Wie erstellst du also einen Kalender der ersten Male?

Keine Sorge, es ist wirklich ganz einfach. Das Material, das du brauchst, ist entweder ein großes Blatt Papier oder ein Notizbuch. Alternativ kannst du auch eine digitale App nutzen, wenn du das möchtest.
Manche Menschen gestalten ihren Kalender auch kreativ mit Zeichnungen, Aquarellen oder Fotos. Dieses Notizbuch oder das Blatt werden jetzt in zwölf Monate aufgeteilt. Entweder du nimmst dir zwölf Seiten oder du erstellst eine Art Tortendiagramm mit zwölf Stücken und beschriftest diesen mit den zwölf Monaten.

Oder du nimmst – so werde ich es dieses Jahr machen – ab Anfang Januar einen Kalender und zeichnest deine Beobachtungen wöchentlich auf. Halte die Augen offen und notiere dir die ersten Male, die du siehst. Der erste Regen nach einem langen Winter.
Das erste Singen eines Vogels im Frühling.
Die ersten Blätter, die sich im Herbst färben. Schreibe das Datum und wenn du möchtest ein paar zusätzliche Infos und eine kurze Beschreibung dazu.


Du kannst dich entscheiden, ob du eine Zeichnung machen möchtest oder doch nur eine kleine Notiz. Eine Zeichnung empfiehlt sich besonders mit kleinen Kindern, wenn ihr euch für das Tortendiagramm entschieden habt. Da hier einmal monatlich, eine Zeichnung erstellt wird von einem Phänomen oder etwas, das ihr das erste Mal in der Natur gemeinsam erblickt habt. Es kann aber auch ein fortlaufender Kalender gewählt werden, in dem wöchentlich oder monatlich eine Zeile verfasst und mit den Metadaten, also dem Datum, der Temperatur, dem Wetter, dem Ort und vielleicht auch die Mondphase hineingeschrieben wird.

Diesen kannst du dann im nächsten Jahr noch einmal weiterführen und vergleichen, um herauszufinden, ob es wieder dasselbe ist Phänomen zu dieser Zeit des Jahres ist, ob etwas früher wahrgenommen wird, ob es wieder unsere Aufmerksamkeit erweckt. Wichtig wäre, dass du regelmäßig notierst. Du musst nicht jeden Tag schreiben.
Es reicht, wenn du dich einmal pro Woche oder eben einmal im Monat mit diesem Kalender beschäftigst und deine wichtigste Beobachtung notierst. Inspirationen findest du in Büchern oder über Blogs. Lynn Seddons Buch ist eine großartige Quelle. Aber auch lokale Naturführer können hilfreich sein.

Phänologie mit Kindern

Um deinen Kalender besonders zu machen, kannst du kreative Ideen nutzen, wie zum Beispiel die Zeichnungen deiner Kinder. Wenn du mehrere Kinder hast, können sie ja auch die Monate aufteilen. Vielleicht ist auch der Geburtsmonat ein ganz guter Zeitpunkt für eine kleine Zeichnung, wenn sie nicht alle auf den selben Monat fallen. Lass dir da was einfallen, wie ihr dann die einzelnen Segmente unterteilt und wer wann eine Zeichnung erstellt.

Ihr könnt natürlich auch das Tortenstück selbst noch mal in der Hälfte teilen. Und jedes Kind kann einmal eine besondere Entdeckung in der Natur hineinmalen. Und in das andere Stück können auch sehr gerne besondere Momente, wie eben ein Geburtstag oder besonders religiöse Momente miteinfließen.
Es können auch Gedichte oder Zitate notiert werden, die für euch in diesem Monat besonders waren. Du kannst aber auch Fotos machen vom jeweiligen Monat mit deinen Kindern zusammen. Vielleicht an einem bestimmten Ort, den ihr über das ganze Jahr immer wieder beobachtet und monatlich ein Bild davon macht und das dann eingeklebt wird.

Teile das Projekt mit deiner Familie und deinen Kindern.
Dann kann jeder seine Beobachtung beisteuern.

Warum ist das alles überhaupt wichtig?

Die Natur verändert sich ständig und ein Kalender der ersten Male hilft uns, diese Veränderung bewusst wahrzunehmen.

Gleichzeitig schaffen wir aber auch ein wertvolles Archiv, das wir über die Jahre hinweg vergleichen können. Außerdem ist es eine wunderbare Möglichkeit, die Verbindung zur Natur zu stärken. Etwas, das in unserem modernen, oft technischen Alltag viel zu leicht verloren geht.

Ich hoffe, du fühlst dich nun etwas inspiriert, vielleicht gleich im Januar loszulegen, deinen eigenen Phänologischen Kalender zu starten. Du kannst natürlich auch später anfangen und dann das Jahr einmal beobachten.

Ich freue mich, wenn du mir von deinen Erfahrungen erzählst 🙂

Eine frohe Winterzeit und bis im neuen Jahr

Avatar von Sara

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