
Der Beutelwolf
„Mach was anständiges, mach was mit Computern“. Diesen Satz durfte ich mir jedes Mal anhören, wenn es um die Planung meines zukünftigen Berufsfeld gehen sollte. Er bezog sich vordergründig auf die Industrie, die Produktion, auf wirtschaftliches Denken. Biologie war ja noch immer keine Option, die ernsthaft in Erwägung gezogen werden durfte. Selbst bei der Agentur für Arbeit, wurde dieser Bereich ausgeschlossen. Zu schlecht waren die Jobaussichten. Also ging ich in die Wirtschaft. Und ich habe es gehasst. Das morgendliche Vogelgezwitscher hinter mir zu lassen. Die gut besuchten Blüten, an einem warmen Sommertag. Die bunten Blätter im Herbst. All das hinter mir zu lassen um in das kalte, langweilige, tote Gebäude zu gehen. Ich war das nicht. Ich wollte das nicht. Jeden Mittag ging ich in den nahegelegenen Stadtpark und saugte die Umgebung auf. Es fühlte sich so an, als würden mir die Meisen und Spatzen etwas von Ihrer Lebensfreude leihen. So überstand ich vier lange Jahre. Jeder meiner Versuche das Unternehmen zu sensibilisieren, zu modernisieren, wurde zerschlagen. Zu teuer und “es wurde immer schon so gemacht”. Eins hatte ich in dieser Zeit verstanden: Kein noch so toller Arbeitsvertrag war es Wert, gegen sein Inneres anzugehen und die Lebensjahre so vergehen zu lassen. Ich hatte aber noch nicht den Mut, um daran etwas zu ändern. Noch ging es aber nur um mich und um MEINE Zukunft. Das änderte sich aber sehr bald.
Als unser erstes Kind auf die Welt kam, war der Himmel tief blau. Nie hatte ich ein schöneres blau gesehen und nie war ich glücklicher gewesen. Der kleine Zwerg erfüllte einen lang gehegten Traum. Wir hatten bis dahin erfahren, was tiefer, von Verzweiflung geplagter Schmerz bedeutet. Was wirkliches und tiefes Leid ist. Mit dem ersten Atemzug unseres kleinen Wunders. Mit seinem ersten gesunden Schrei, war die Welt wieder wunderschön. Als ich ihn in den Armen hielt, spürte ich noch etwas anderes als pures Glück und unendliche Liebe. Unerwartet und ungebeten kam Sie: die Angst. Denn nun ging es nicht mehr nur um meine Zukunft. Die Nachrichten waren voll mit Gefahren. Hauptsächlich dominierten Naturkatastrophen aufgrund Klimaveränderungen. Unser Leben, wie wir es kannten, war gefährdet. Ich musste etwas tun, denn ich hatte nun etwas wertvolles zu verlieren. Die Welt war es plötzlich Wert, um sie zu kämpfen!

Hinterlasse einen Kommentar